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schultrauma

Ein Wochenanfang voller Harmonie und Einklang

Als Musiker ist man ja selbstverständlich Kirchenmäusisch arm. Das weiß ein jedes modernes, rockravendes Partykind heute. Aus diesem einfachen Grund freuen sich Rockmusiker über fast jedes Geschenkangebot. Ich ziehe dieser tage mit meinem studio wieder in meine Wohnung. Das bedeutet zuviel Zeug an einer Stelle. Genau diese Situation fordert meine Raumplanungsfähigkeiten sehr. Und da ist es eine schöne Idee meines Vaters gewesen mir seinen alten Riesenschrank zu schenken. Plemo bekommt einen Schrank. Was ist ein Schrank? Eine Kiste mit Stangen und Böden. Mann kann seine Kleidung reinmachen oder nach einer ausgiebigen Trinkerparty sein Eigenurin. Wo ist ein Klo?
Nun denn. Dieser Schrank muss nach mir hin. Also ich nach meinem Vater hin. Und an jene Stelle auch noch ein großes Auto hin. Ne einfache Angelegenheit will man meinen. Ich also Dienstag in Zug hin nach da wo der wohnt, und dort erstmal seinen Geburtstag zelebriert. Mein Vater hatte genau an dem tag Geburtstag. Das verbindet das nützliche mit dem feuchten. Da mein Vater ein Liebhaber von keinen Zigaretten ist konnte ich nicht rauchen. Macht nichts, denn mein alter Herr ist ein Liebhaber von Bier und klaren Flüssigkeiten die einen angenehmen Schleier über Glas und über Verstand legen. In diesem fall waren es Framboise und Grappa. Freunde wissen das Grappa in meiner Welt einen festen Stellplatz hat. Ist ja auch lecker und macht einen eckstatischen Rausch. Nach einer kleinen Kiste Veltins und einer fast lehren Flasche Grappa gefiel es mir zu bemerken dass ich in tiefsten Diskussionen über die Ortspolitik stecke. Position Vater, „CDU“. Ich liebe ihn dafür. Vor Jahren war er im Ortsvorstand. Position Sohn, „welverstehender Saufhippie“. Ich hasse mich dafür. die positive Folge der hitzigen Gesprächsrunde ist ein neues Thema. Ortsvorsitzende der grünen 1990 war Ilse Kuhne. diese Frau ist Hassobjekt meines Vaters. „Haha, die alte Fickschlampe, hahahaha! Rennt mit ner Sprühdose durchs Dorf und sprüht AKW NEE and die Stromkästen. Hahaha!“. Diese und ähnliche Worte hörte ich in jungen Jahren sehr oft. Als ehrenhafter Jungspund adaptierte ich natürlich diese Meinung, und ich freute mich sprossig als die Ökodame in grünem Frottejogger eines Tages vor uns in der Schulklasse stand und zartherzig verkündete: „Hi, ich bin die Ilse. Ihr habt ab heute Kunst und Sozialkunde bei mir. Ihr könnt mich ILSE nennen“. Alle klar Ilse dein Urteil lautet: TOT durch absolute Missachtung deines Namenwunsches. Ich saß zu dieser zeit in der C-klasse ganz hinten links. Heute weiß ich was das bedeutet. Es fiel mir nicht schwer die gesamte letzte Reihe auf meine Seite zu ziehen. Bald sprach fast die gesamte klasse sie nur noch mit Frau Kuhne an. Der Gag bei der Sache, Ilse wollte ILSE heißen weil sie ihren Nachnamen nicht vertrug. Dieser entstammte nämlich ihrer frisch gescheiterten Ehe. Ihr EX, Herr Kuhne mein Politiklehrer, immer dreckig und stark alkoholisiert brachte uns in einem Jahr Unterricht zwei Wörter bei.
Wort eins „Individuum“. Wort zwei „Massachusetts“. Ein wahnwitziger irrer.
Bald fiel meine Kunstnote von eins auf vier. Mein Vater freute sich darüber nicht sehr. Sein Hass zu Ihr wuchs bis ins unermessliche und beeinflusste so unsere Kommunalpolitik spürbar. Fahrradwege wurden absichtlich mit Pflastersteinen gebaut die Fahrradfahren nicht ermöglichen. Als Ortsschmuck wurde ein blauweißer Maibaum aufgestellt. Die Ampel für den Schulweg wurde nicht gebaut. Windräder auch nicht. Der Einfluss meines Vaters war großartig. Auf diese weise beeinflusste ich mit viel Freude und schlechten Kunst- und Sozialkundenoten die Kommunalpolitik unsere Kleinstadt. So wurde die CDU für mich ein schreiendes Organ meines wachsenden Punkertriebs. Noch heute liebe ich diese Partei für ihre unkonventionellen Stil der Zerstörung. Leider sind die großen Megazerstörer von einst nicht mehr im dienst. Wer den Punk fördern will wählt die CDU! So ähnlich müssen auch die letzten Worte aus meinem Hals geschallt sein, bevor ich nicht mehr sprechen konnte.
Der Schrank ist mittlerweile aufgebaut und schon fast eingeräumt. Mein neues Schrankleben kann also beginnen.

Meine Einsicht: Ich werde zukünftig über meine Schulzeit berichten. Nur Trashpiloten wurden an unsere kleinen Brains gelassen. Assiförderung auf hohem Niveau.
30.11.05 12:54





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